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04/12/2015
Alvja Hermaņa paziņojums pēc atteikuma strādāt "Thalia Theater" Hamburgā

"Mans skaidrojums ir šāds. To drīkst izmantot tikai tādā formā, kādā tas ir uzrakstīts. Lūgums tekstu izmantot nesaīsinot un nepārveidojot. Pretējā gadījumā to nedrīkst izmantot.

Thalia Theater intendants savu apgalvojumu izteica, manipulējot ar teikumiem, kas tika izņemti no manu privāto vēstuļu konteksta (neprasot man atļauju).
Esmu lūdzis atcelt manu iestudējumu Hamburgā ļoti privātu iemeslu dēļ. Pašlaik strādāju Parīzē un dzīvoju tajā pašā pilsētas daļā, kurā notika masu slaktiņš. Ikdienas dzīves sajūta šeit ir kā Izraēlā. Pastāvīga paranoja. Pat sliktāk, jo Parīzes ebreju kopienas cilvēki ir pirmie, kas pamet šo pilsētu. Mums visapkārt ir apdraudējums un bailes. Tas, kas šeit notika pirms 2 nedēļām, ir bijusi trauma mums visiem.
Esmu 7 bērnu tēvs un neesmu gatavs strādāt atkal vēl vienā potenciāli bīstamā pilsētā. Kā zināms, tie, kas piedalījās 9/11, arī nāca no Hamburgas, starp citu.
Mēs zinām, ka pat Vācijas valdība mainīja bēgļu politiku pēc Parīzes traģēdijas. Tātad cena, kas tika samaksāta, lai beidzot atzītu saikni starp imigrācijas politiku un terorismu, bija 132 jaunu cilvēku nāve Parīzē.
Vai Vācijā saistīt imigrāciju un terorismu aizvien vēl ir tabu? Pēc sarunas ar Thalia Theater cilvēkiem es sapratu, ka viņi nav atvērti atšķirīgiem uzskatiem. Viņi sevi identificē ar bēgļu uzņemšanas centru. Jā, es nevēlos tajā piedalīties. Vai es varu atļauties savu izvēli un savus uzskatus? Kur paliek demokrātija?
Nedomāju, ka mani politiskie uzskati ir radikālāki par lielākās daļas eiropiešu uzskatiem. Mēs neatbalstām šo entuziasmu atvērt Eiropas robežas nekontrolētai imigrācijai.
Jo īpaši Austrumeiropā mums nav saprotama šī eiforija. Vai tiešām jūs domājat, ka visi 40 miljoni Polijas iedzīvotāju, piemēram, ir neonacisti un rasisti?" 


“Please, here is my explanation. But you can use it only in the form how it is written. Please, no cuts and no manipulation. Otherwise you must not use it.

Of course the intendant of Thalia Theater made his statement where he manipulated with the sentences which were taken out from the context of my private letters (without asking my permission).

I asked to cancel my production in Hamburg because of the very private reasons. I am working now in Paris and living exactly in the same part of the city were massacre happened. The everyday life here feels like in Israel. Permanent paranoia. Even worse because the Paris Jewish community are the first which are abandoning this city. Everywhere we are surrounded with a threat and fear. We all are traumatised here after what happened 2 weeks ago.
I am a father of 7 children and I am not ready to work in another potentially dangerous town again. As we know the people who participated in 9/11 were coming from Hamburg by the way.
We know that even German government changed the refugee politics after Paris tragedy. So the price which was paid to finally admit the connection between immigration policy and terrorism - was the death of 132 young people in Paris.
Is it still the tabu in Germany to connect immigration policy and terrorism?
After speaking with a people from Thalia Theater I understood that they are not open for different opinions. They are identifying themselves with a refugee-welcome center. Yes, I do not want to participate in this. Can I afford to have my own choice and my own opinions? What about democracy?
I do not think that my political opinions are more radical then those which are sharing majority of europeans. We do not support this enthusiasm to open the EU borders for uncontrolled immigration.
Especially in Eastern Europe we do not understand this euphoria. Do you really think that 40 million citizens of Poland, for example, are neo-nazies and racists?”
Alvis Hermanis


Vienīgā vācu valodā rakstošā avīze, kas publicējusi Alvja Hermaņa viedokli pilnā apjomā, ir “Neue Zürcher Zeitung” (4.12.2015.):

"Eklat um Alvis Hermanis Eine Absage und ein Shitstorm

Der lettische Regisseur Alvis Hermanis distanziert sich von der Refugees-Welcome-Begeisterung, wie sie die Theater zeigen. Dass er nicht in Hamburg arbeiten will, hat laut ihm private Gründe.

Am Freitag, 4. Dezember, verschickte das Hamburger Thalia-Theater die Ankündigung, der lettische Regisseur Alvis Hermanis habe seine für nächstes Frühjahr geplante Produktion abgesagt: «Hermanis kritisiert das humanitäre Engagement vieler deutscher Theater, so auch des Thalia-Theaters, für Flüchtlinge und möchte damit nicht in Verbindung gebracht werden. Die deutsche Begeisterung, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, sei extrem gefährlich für ganz Europa, weil unter ihnen Terroristen seien. Und niemand könne die Guten von den Schlechten trennen», heisst es da, oder: «Zwar seien nicht alle Flüchtlinge Terroristen, aber alle Terroristen seien Flüchtlinge oder deren Kinder.» Die indirekte Rede suggeriert, es handle sich um ein Hermanis-Zitat.

Darauf folgen ein paar Sätze des Thalia-Intendanten Joachim Lux, der sein Bedauern über diese «politisch begründete» Absage ausdrückt und sein Erstaunen darüber, dass nicht jedermann das «humanitäre» Engagement für «Hilfsbedürftige» teile, wie es das Thalia-Theater beweise, wenn es zum Beispiel Flüchtlinge einlade, bei Nicolas Stemanns Jelinek-Inszenierung «Die Schutzbefohlenen» mitzuspielen.

Kaum war die Thalia-Meldung öffentlich, ging ein Twitter-Shitstorm los. Der Regisseur wurde «feige» und «rassistisch» genannt; ein User wünschte ihm «auf Nimmerwiedersehen». Umgehend veröffentlichte das Portal nachtkritik.de, auf dem nach der Veröffentlichung eifrig kommentiert und debattiert wurde, in englischer Sprache eine Stellungnahme des Regisseurs selbst – die er auch der NZZ schickte, wobei er darauf bestand, sie dürfe nur wörtlich und ungekürzt wiedergegeben werden.

Auf Deutsch klingt das so: «Der Intendant des Thalia-Theaters hat ein Statement aus Sätzen von mir formuliert, indem er sie – ohne mich um Erlaubnis zu fragen – aus dem ursprünglichen Zusammenhang riss und so ihren Sinn verdrehte. Die Gründe, weshalb ich ihn darum bat, meine Hamburger Produktion zu streichen, sind sehr privat. Momentan arbeite ich in Paris und wohne genau in jenem Stadtteil, wo vor zwei Wochen das Massaker stattfand. Das Gefühl im Alltagsleben ist wie in Israel. Permanente Paranoia. Sogar noch schlimmer als dort, weil die jüdische Gemeinschaft als erste die Stadt verlässt. Überall umgeben uns Bedrohung und Angst. Wir alle sind traumatisiert von dem, was hier geschah. Als Vater von sieben Kindern bin ich nicht bereit, in einer weiteren potenziell gefährlichen Stadt zu arbeiten. Bekanntlich stammten die Täter von 9/11 aus Hamburg, übrigens.

Wir wissen, dass die Pariser Tragödie sogar die Flüchtlingspolitik der deutschen Regierung beeinflusst hat. Also war der Preis, der bezahlt werden musste, bis man schliesslich einen Zusammenhang von Migrationspolitik und Terrorismus einräumte, der Tod von 132 jungen Menschen in Paris. Ist dieser Zusammenhang in Deutschland immer noch ein Tabu? Nach Gesprächen mit Thalia-Leuten habe ich verstanden, dass sie nicht offen sind für abweichende Meinungen. Sie sehen sich als Refugees-Welcome-Zentrum. Jawohl, ich will da nicht mitmachen. Kann ich mir diese individuelle Entscheidung, kann ich mir eigene Meinungen leisten? Wie steht's mit der Demokratie?
Ich denke nicht, dass meine politische Haltung radikaler ist als diejenige einer Mehrheit von Europäern. Wir teilen den Enthusiasmus hinsichtlich offener EU-Grenzen und unkontrollierter Einwanderung nicht. Vor allem im Osten Europas verstehen wir diese Euphorie schlecht. Wer glaubt denn allen Ernstes, vierzig Millionen polnische Bürger, um ein Beispiel zu machen, seien Neonazis und Rassisten?»

Von dem, was Joachim Lux aus Mails und Telefonaten extrapolierte und weitergab, unterscheiden sich Hermanis' Argumente doch beträchtlich. Wie der Regisseur ausserdem ergänzt, ist er auch nicht grundsätzlich dagegen, dass Theater mit politischen Verlautbarungen auftreten: Es störe ihn bloss, wenn ausschliesslich eine Seite zu Wort komme."